Belgrad, Chicago, Zagreb

„Ich stand etwas abseits und betrachtete die über mir zum Himmel steigende Skyline. Für mich ist die Stadt eine majestätisches Kunstwerk. Jedes Detail ist ehrlich und offen. Sobald ich einen Schritt aus ihrem irrwitzigem Tempo herausmache, kann ich es sehen. Sie bewegt sich wie eine riesige kinetische Skulptur. […]. Wahrzeichen wie das Art Institute und das Board of Trade scheinen die restliche Stadt in ihr Gravitationsfeld zu ziehen. […]. Die Stadt ist ein Fließtext, der gelesen werden soll, aus der Nähe betrachtet und aus der Ferne, in Ruhe erforscht von denselben Menschen, die in ihrem Räderwerk funktionieren.“

Das ist nur eine der vielen Lieblingsstellen aus „Der Fahrradkurier“. Die Art und Weise, wie Travis Hugh Culley, Bilder in meinen Kopf mithilfe geschriebener Wörter zeichnet, ist für mich einmalig.
Culley verfolgt mit seinem Buch aber viel mehr als uns schöne Bilder zu zeichnen. Er will jeden einzelnen Leser für das Radfahren sensibilisieren und motivieren.
Da ich selbst passionierter Fahrradfahrer bin, kann ich mich für viele seiner romantischen Ideen begeistern. Ja, sie bringen mich zum Träumen, von einer Welt, in der Radfahrer und Autofahrer gleichberechtigt sind. Von einer Welt, in der Menschen das Fahrrad dem Auto vorziehen.

Der Verzicht auf das Auto ist quasi die Lösung für alles. Zumindest in Chicago.


Einen spannenden Gedankengang den ich von Culley noch aufgreifen möchte, ist, dass das Auto obwohl es uns eigentlich durch Mobilität völlige Freiheit schenk (American Dream), uns erst richtig unfrei gemacht hat. Denn ohne dem Auto sind wir nicht frei. Ohne Auto kommen wir nicht von A nach B. Ohne Auto kommt das Kind nicht in die Schule, der Papa in die Arbeit. Ohne Auto ist Leben in der (amerikanischen) Vorstadt nicht möglich. Ohne Auto ist man quasi verdammt auf ein Leben des Minimalismus, denn dadurch, dass das Auto solch eine Mobilität schenkt, ich möchte eigentlich gar nicht mehr von Freiheit schreiben, wurde alles auf den Autoverkehr ausgerichtet. Straßen, Gesetze, Gebäude, Politik, alles wurde dem Autofahrer und seinen Bedürfnissen angepasst. Und was, wenn man gar nicht mit dem Auto fahren möchte?

Ja, Pech gehabt


Irgendwie hat er recht. Gott sei dank lebe ich in Europa. Denn wir haben öffentliche Verkehrsmittel kleinere Distanzen und einen anderen Bezug zum Radfahren. Wenn man auf die Straßen Europas blickt, entdeckt man mehr und mehr Fahrradfahrer. Natürlich gibt es unter ihnen auch einige die etwas wilder fahren (*hust* ich zum Beispiel), aber das Fahrrad muss dem Auto bevorzugt behandelt werden. Denn ein Fahrrad verursacht weniger Dreck, verbraucht weniger Platz und bei einem Unfall sind die Folgen wesentlich geringer.

Nagut, genug der Moralapostelei. 

Leider bin ich diese Woche nur zu diesem einen Buch gekommen, da ich von Donnerstag bis Sonntag früh in Belgrad, Serbien zugegen war. Also falls du mal einen Urlaub planst und nur ein bescheidenes Budget vorzuweisen hast, ist Belgrad genau deine Stadt.

Außerdem hat es diese Woche relativ viel in Zagreb geregnet, deshalb habe ich mit zwei Hörbüchern begonnen. „The Lamb’s Supper: The Mass as Heaven on Earth“ von Scott Hahn und „Einfach Gebet“ von Johannes Hartl. Ersteres hätte ich gerne als deutsches Buch gelesen, doch leider ist es schon vergriffen, also falls das zufällig jemand Zuhause herumstehen hat, nur nicht schüchtern sein ;)
Über den Inhalt erzähle ich das nächste Mal mehr.

P.S.: Zum Abschluss noch ein Zitat aus „Der Fahrradkurier“: „In seinen Augen sah ich die großspurige Gelassenheit eines Dobermanns, der ein Grundstück bewacht.“

P.P.S.: Für alle die sich über die vegane Kuh wundern, diese herzigen Grafitis finden sich in ganz Belgrad. 

P.P.P.S.: "Telling strangers we are vegan"- https://www.facebook.com/theroyalstampede/videos/1760922890600894/